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Für die Sinti gab es kein Israel

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Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier

Seit 600 Jahren leben Sinti in Deutschland. Dass sie als nationale Minderheit zumindest offiziell respektiert werden, ist jedoch eine ganz neue Errungenschaft. Nach dem versuchten Völkermord unter Hitler hatten sie es in Deutschland zunächst extra schwer.

Emmet Ray ist der zweitbeste Gitarrist der Welt. Zu mehr wird er es nie bringen, denn der beste ist schon «dieser Zigeuner aus Frankreich». Um den legendären Jazz-Gitarristen Django Reinhardt geht es in Woody Allens Sweet and Lowdown allerdings nur am Rande. Was wir hören in dem Film, ist seine Musik – und die Geschichte eines anderen.

Nun muss sich Django keine Sorge um seinen Platz in der Musikgeschichte machen. Doch symptomatisch ist Allens cineastisches Stilmittel trotzdem. Denn die Geschichte der Sinti und Roma interessiert nicht besonders. Wir pflegen lieber den Mythos. Das fahrende Volk, das immer am Rande lebt - der Kriminalität und der Gesellschaft. Positiv werden Sinti und Roma nur dann wahrgenommen, wenn es um ihre vermeintlichen «Qualitäten» geht: singen, tanzen, musizieren. Und selbst berühmte Sinti halten ihre Wurzeln gern unter Verschluss. So gab Marianne Rosenberg ihre Identität erst Anfang der 1990er Jahre preis, weil ihr Vater Otto in den Vorstand des Zentralrats der Sinti und Roma gewählt wurde. Er hatte Auschwitz überlebt.

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Als in den 1940er Jahren die Sinti in Mainz deportiert wurden, standen in der Innenstadt mit einem Mal 40 Wohnungen leer. Das hat der Verband Deutscher Sinti und Roma in Rheinland Pfalz durch Zeitungsrecherche herausgefunden. Ein Beweis dafür, dass sie keineswegs in Wohnwagen durchs Land zogen und sich im Tanzen, Betteln, Scherenschleifen und Klauen verdingten. Sie gingen ganz normal einer Arbeit nach, nur eine Minderheit lebte in Wagen. Doch das wissen, auch mehr als 60 Jahre, nachdem Hitler versuchte, die «Zigeuner» auszurotten, die wenigsten Deutschen.

Dass Sinti und Roma nach dem Krieg jahrzehntelang auf ein unstetes Leben ausweichen mussten, ist vor allem eine Folge des Holocaust, das ist dem Verband Deutscher Sinti und Roma wichtig. Doch das ist 30 Jahre her. Heute fallen die mehr als 70.000 Sinti in Deutschland kaum mehr auf. Eigentlich. Denn wenn die alte Frau am Kiosk ihre Zeitung kauft, in der über ein Verbrechen berichtet wird, heißt es, «das war wieder einer von euch». Und der Jugendliche, der eine Lehre im Einzelhandel macht, darf sich von den Kollegen anhören, dass er doch «mal was drehen» könnte. Und der Chef sagt: «Der kommt nicht an die Kasse.»

Seit 600 Jahren leben Sinti im deutschsprachigen Mitteleuropa. Sie sind die deutsche Teilgruppe der Roma und kamen damals aus Vorderasien. Die deutschen Roma, etwa 20.000, sind im 19. Jahrhundert aus Osteuropa eingewandert. Dazu komme eine unbekannte Zahl, die entweder in den 1970er Jahren als Gastarbeiter aus Jugoslawien und während der Balkankriege als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, erklärt Herbert Heuß vom Zentralrat der Sinti und Roma in Heidelberg.

Wie die Landesverbände kämpft der Zentralrat vor allem gegen die Diskriminierung an. 2006 führte er eine Befragung durch, an der 309 Sinti-und-Roma-Familien teilnahmen. Drei Viertel von ihnen fühlten sich schon häufiger diskriminiert, kam dabei heraus, vor allem bei Arbeits- und Wohnungssuche. Negativ dargestellt sahen  sich Sinti und Roma besonders in den Medien. 90 Prozent fanden, die Berichterstattung fördere Vorurteile. Auch das Zentrum für Antisemitismusforschung stellte durch Umfragen fest, dass mehr als 60 Prozent der Mehrheitsbevölkerung Sinti und Roma gegenüber negativ eingestellt sei – während Ablehnung gegenüber Juden 13 Prozent äußerten.

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Ein unzulässiger Vergleich? Auch für die «Zigeuner» hatten die Nazis die Vernichtung beschlossen. 1940 schwappte die erste Deportationswelle durch Deutschland, die Verschleppten mussten in Polen neue Lager bauen und durchliefen dadurch selbst diverse KZ. Ab 1943, als ein zweiter Deportationsschub folgte, kamen die meisten direkt nach Auschwitz. 500.000 Sinti und Roma wurden von den Nazis ermordet.

Dass die wenigen Überlebenden einen Völkermord überstanden hatten, erkannte die Bundesrepublik erst 1982 unter Kanzler Helmut Schmidt offiziell an. Zuvor hieß es, man wolle sich Entschädigungen erschleichen. 1945 wurde niemand als Opfer anerkannt.

Dass viele Sinti-und-Roma-Familien in Problemvierteln wohnen, ist für den Verband der Sinti und Roma eine direkte Konsequenz daraus. Nach dem KZ wussten sie nicht wohin. Irrten durchs Land auf der Suche nach der Familie – bis sie merkten, dass außer ihnen keiner mehr lebte. Sie hatten nichts, keine Wohnung, keine Möbel, keine Fotos, keine Vergangenheit und keine Zukunft. Also versteckten sie sich, nur nicht auffallen. «Es ist eine traumatische Situation, wenn man in seinem eigenen Land von den eigenen Leuten verfolgt wird und danach dorthin zurück muss. Für die Sintis gab es kein Israel», sagt eine Mitarbeiterin des Verbands Deutscher Sinti und Roma in Rheinland-Pfalz.

Bis in die 1970er Jahre hinein herrschte in der Bevölkerung die diffuse Ansicht vor, den «Zigeunern» sei die Verfolgung ganz recht geschehen. Die Lobby, die den Sinti und Roma fehlte, bildete sich erst 1982 mit dem Zentralrat. Sie kämpfen vor allem für Bildung und gegen Diskriminierung.

Sinti und Roma sprechen noch immer eine gemeinsame Sprache, das Romanes, das sich jedoch über die Jahrhunderte gewandelt hat und nicht mehr allgemein verständlich ist. Selbst die deutschen Sinti haben verschiedene Dialekte. Die Sprache ist ihnen wichtig, doch auf ihre Traditionen wollen sie nicht mehr festgenagelt werden. Sie wollen normal sein. «Die Sinti leben seit 600 Jahren in Deutschland. Sie leben sehr familiär, unterscheiden sich in ihrem Alltag aber nicht von den Deutschen», betont Reinhold Lagrene vom Dokumentations- und Kulturzentrum in Heidelberg. Keine Randgruppe, keine begnadeten Zigeuner-Musiker.

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Anmerkung von Norman: Ich weiß nicht ob alles stimmt, was in diesem Artikel steht. Was ich weiß, ist nur eines: Diese Sachen müssen aufhören. Alle Besucher von gypsyguitar lieben, die Art von Jazz, die unsere Mitbürger machen. Es haben sich viele Freundschaften entwickelt. Und: Dieser Quatsch muss endlich mal aufhören, auch das, was gerade in Frankreich passiert. Ich weiß nicht, was man tun kann. Vielleicht hilft es, wenn man gemeinsam Musik macht... Oder habt ihr bessere Vorschläge. Lasst uns, die wir mehr wissen, als die meisten "Durchschnittsbürger" es etwas besser machen. Bitte.

 
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