Zweimal Gypsy-Jazz: Andreas Öberg und Wawau Adler bei den Staufener Gitarrentag
Die Zartheit singender Saiten
Zweimal Gypsy-Jazz: Andreas Öberg und Wawau Adler bei den Staufener Gitarrentagen.
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Wawau Adler zauberte beim Konzert in Sulzburg verschmitzte Melodien aus dem Ärmel. Foto: Friederike Zimmermann
SULZBURG/STAUFEN-GRUNERN. Die
vierte Runde der Staufener Gitarrentage stand wieder sehr im Zeichen des
Gypsy-Jazz, der an zwei von drei Konzertabenden gespielt wurde. Doch
irrte gewaltig, wer glaubte, hier zweimal Ähnliches zu hören zu
bekommen, denn unterschiedlicher hätten die beiden Interpreten Andreas
Öberg und Wawau Adler kaum sein können. Und dies, obwohl beide ihrem
großen Idol Django Reinhardt frönen.
Dass die Gitarrentage längst viele (und zum Teil von weit her
anreisende) Fans hat, zeigte sich einmal mehr am großen Andrang –
speziell zu diesen beiden Gypsy-Jazz-Konzerten, was die Entscheidung der
Veranstalter für diese Doppelung begreiflich macht. Dabei ist der
Schwede Andreas Öberg das unbestrittene Zugpferd, betonen Ulrich Wüst
und Margarete Baumann-Wüst, die vor fünf Jahren über die Vermittlung von
Jugendmusikschulleiter Joachim Baar den international prämierten
Weltgitarristen erstmals nach Grunern holten und damit 2008 in
Kooperation mit Germar Seeliger vom Kulturamt Staufen und Gerhard
Philipp vom Bürgerverein Wettelbrunn den Grundstein für die Gitarrentage
legten.
Daher kann Andreas Öberg, der es bisher jedes Jahr irgendwie geschafft
hat, auf seiner Tournee durch die Metropolen der Welt nach Grunern
abzubiegen, trotz seiner jungen Jahre als eine Art Vater des Ganzen
gelten. Während der Musiker in den letzten Jahren bei einem
Gitarren-Workshop immer auch Einblicke in seine Technik gewährte, konnte
dieser aus terminlichen Gründen heuer leider nicht stattfinden, soll
aber im Rahmen der nächsten Staufener Gitarrentage wieder angeboten
werden.
Gleich zu Beginn des Konzertes wandte sich der Gitarrist ein wenig
gerührt an das Publikum: "Thanks for having me back in town!" Und schon
legte er los: glasklar, schwindelerregend kreativ und variationsreich
sein Spiel mit rasanten Tempo- und Stilwechseln innerhalb eines Stückes.
Begleitet wurde er von den kongenialen Musikern Manfred Fuchs
(Rhythmusgitarre) und Tiny Schmauch (Kontrabass). Ab und an eine etwas
undankbare Aufgabe ("it’s very hard to play with me…"), denn Öberg trieb
seine spontanen Einfälle zuweilen derart auf die Spitze, dass einer
seiner Mitspieler unvermittelt auflachen musste. Stilsicher und virtuos
entlockte Öberg seiner Gitarre Töne, wie man sie von diesem Instrument
noch selten gehört hatte. Bei den Soli schien er so mit der Gitarre zu
verschmelzen, als hätte er die Welt um sich vergessen. Doch dann ein
kurzer Blickwechsel, und die anderen setzten wieder ein. Vielleicht ist
es gerade das, was seine Mitspieler so sehr an ihm schätzen: Alles
bleibt zu jeder Zeit möglich.
Beim Konzert in Sulzburg mit Wawau Adler wurde schon nach wenigen Takten
klar, dass man es hier zwar mit einer ähnlichen Stilrichtung, jedoch in
völlig anderer Manier zu tun hatte. Denn Josef "Wawau" Adler stammt,
wie übrigens auch einer seiner langjährigen Mitmusiker, Holzmanno
Winterstein (Rhythmusgitarre), von deutschen Sinti-Musikern ab. Eine
prächtige Mischung zusammen mit dem Dritten im Bunde – Joel Locher
(Kontrabass) kommt als ehemaliger Solokontrabassist im Stuttgarter
Jugendkammerorchester und Mitglied des Festivalorchesters der
Internationalen Bachakademie ursprünglich aus der klassischen Ecke.
Diese drei also gemeinsam auf der Bühne: Wawau Adler, der mit gutmütiger
Miene verschmitzte Melodien aus dem Ärmel zauberte; dazu die unbewegte
Mimik Holzmanno Wintersteins, der rhythmisch-akkurat die Saiten seiner
Gitarre schlug; dazwischen Joel Locher, der Bassist, der die beiden mit
seinem routinierten Groove untermalte und dem Publikum während seiner
unglaublich virtuosen Soli immer wieder ein scheues Lächeln zuwarf.
Phantastische Musik, die einem Ganovenfilm entstammen könnte, in dem der
Schuft zum geliebten Helden wird. All dies entfaltete eine phänomenale
Wirkung, die dem Publikum immer wieder verzückte Rufe entlockte.
Wollte man die beiden Konzerte Adler- Öberg vergleichen, so war Adler
melodiöser und führte konstanter durch die Stücke, wohingegen Öberg doch
hin und wieder den eigentlich nicht existenten Begriff der abstrakten
Musik nahelegte. Andreas Öberg ist hier längst zur unverzichtbaren
Institution geworden, mit Wawau Adler hielt jedoch ohne Zweifel ein
neues Highlight Einzug in die Staufener Gitarrentage. Diese Zartheit
einer singenden Gitarre, gepaart mit solcher Virtuosität – auch das
sucht zweifellos ihresgleichen.
Autor: Friederike Zimmermann
- Badische Zeitung 10.12.2011
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